Fehler machen: eine der wichtigsten Fähigkeiten im Leben!
„Fehler sind gut, aus Fehlern kann man lernen.“ Dieser Satz hört sich im ersten Moment richtig gut an. Doch Hand aufs Herz: wenn einem selbst Fehler unterlaufen, nützen solche klugen Sätze zunächst nicht viel. Und dennoch: Fehler sind menschlich. Sie bieten die Chance, Dinge zu reflektieren, neu anzugehen, anders und besser zu machen. Es gibt Menschen, die ein großes Problem mit Fehlern haben. Sie versuchen, keine Fehler zuzulassen. Dies kann sich in einem übersteigerten Perfektionismus oder extremem Kontrollwahn ausdrücken. Diese Menschen ertragen Fehler nicht. Sie scheitern an ihrem Drang, keine Fehler zu begehen. Und noch dramatischer, sie setzen Fehler mit Schuld gleich. Wenn nicht alles nach Plan läuft, und Fehler passieren, fühlen sie sich schuldig. Auf Dauer kann dies zu selbstzerstörerischen Folgen führen.
Es bleibt niemandem erspart, den richtigen Umgang mit seinen eigenen Fehlern zu finden. Und es wurde nachgewiesen, dass die Erlaubnis, Fehler machen zu können, weniger Fehler zur Folge hat. Hierbei ist die Studie des Chirurgen Dr. Peter Pronovost interessant. Im Jahr 2006 wurden in amerikanischen Krankenhäusern pro Jahr bis zu 80.000 Patienten mit Bakterien infiziert. Bis zu einem Drittel der Kranken starben daran. Pronovost glaubte, dass man diese Zahl senken könnte, wenn man Abläufe änderte: Er suchte sich ein Krankenhaus in Detroit aus und brachte das Personal dazu, sich die Arbeitsabläufe ohne Angst vor Sanktionen anzuschauen und damit „angstfrei“ ihre eigene Arbeit zu bewerten. Im Vordergrund ging es darum, Methoden zur Fehlervermeidung zu entwickeln, wobei die Frage nach der Schuld keinerlei Rolle spielte. Er führte Checklisten ein, anhand derer die Mitarbeiter sicher stellen konnten, dass alle Arbeitsschritte und sämtliche Veränderungen eingehalten wurden. Das Projekt wurde auf mehrere Krankenhäuser übertragen. Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen. Innerhalb eines halben Jahres, gab es 1578 Todesfälle weniger, die auf Infektionen zurückzuführen waren. Der spanische König lud Pronovost ein, dieses Projekt auch in den Krankenhäusern in Spanien umzusetzen. Inzwischen werden diese Checklisten von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen. Pronovost hat letztendlich nur Eines gemacht: Er hat den Fehler von Schuld getrennt und damit den alten Spruch untermauert, dass der größte Fehler, den man im Leben machen kann, darin besteht, zu viel Angst vor Fehlern zu haben.
Die Geschichte kann mit einer Vielzahl an Beispielen aufwarten, bei denen aus Fehler und Irrtümer etwas Großes entstanden ist. Auf seiner Suche nach dem Seeweg nach Indien, berechnete Christoph Columbus den Erdumfang falsch und entdeckte dabei Amerika. Johann Friedrich Böttger fand zwar nie die Formel, um Gold herzustellen, aber er erfand dabei das Porzellan. Als Henry Becquerel vergeblich prüfte, ob Uran Röntgenstrahlen aussendet, entdeckte er nebenbei die natürliche Radioaktivität. Und nachdem der Unternehmer Lars Hinrichs mit seinem Unternehmen eine klare Pleite einstecken musste, erstellte er sich eine Liste mit sämtlichen schief gelaufenen Punkten: er kam auf 97. Dann gründete er Xing und wurde zum mehrfachen Millionär.
In jedem Scheitern stecken Chancen. Klingt irgendwie beruhigend. Wem dies jedoch immer noch nicht reicht, um motiviert zu werden, wenn etwa die Ehe, die Firma oder die Vision gescheitert ist, der kann sich an Hans-Jürgen Stöhr wenden, Leiter der Agentur für "gescheites Scheitern" in Rostock. Er sagt: „ In jedem Scheitern liegt der Keim des Erfolges.“
Wer erkennt, dass Fehler und Irrtümer einfach ein Bestandteil unseres Lebens sind und dies akzeptiert, ist auf dem richtigen Weg, aus Fehlern zu lernen und an ihnen zu wachsen. Es muss ja nicht immer gleich ein neuer Kontinent entdeckt werden. Es kann schon richtig überwältigend sein, wenn man aus einer persönlichen oder beruflichen Krise gestärkt hervorgeht, weil sich, ausgelöst durch die Krise, völlig neue Perspektiven und Wege ergeben haben, mit denen man nie gerechnet hätte und die schlussendlich alle Erwartungen übertroffen haben. Und sicherlich sind auch Mut und Humor hilfreiche Faktoren im Umgang mit Fehlern. Denn: Nobody is perfect!
Buchtipps: Sascha Lobos „Strohfeuer“ und Rafael Horzons „Das weisse Buch“ – beide Bücher schildern auf überaus amüsante Art und Weise, mit einem Augenzwinkern, wie Geschäftsideen am schönsten scheitern können.
„Es ist ein großer Vorteil im Leben, die Fehler, aus denen man lernen kann, möglichst früh zu begehen.“
Winston Churchill
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